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26.January.2016 um 11:41 Uhr

Fachtag „Bündnis Klassenfahrten“

Obwohl die positiven Auswirkungen von pädagogisch orientierten Jugendreisen auf die Kompetenzentwicklung von Kindern und Jugendlichen durch Forschungsstudien belegt werden konnten, kommt den Schul- und Klassenfahrten im Schulalltag eher eine untergeordnete Rolle zu. Vor diesem Hintergrund trafen sich in den Räumlichkeiten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und durch die Organisation von Hans-Dieter Heine Akteure und Akteurinnen aus den Arbeitsfeldern „Schule“, „Jugendmobilität“, „Wissenschaft, Forschung, Evaluation“ sowie „Außerschulischer Lernort“.

Ziel war eine konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema Schul- und Klassenfahrten sowie eine Aufwertung von Jugendreisen im Schul- und Klassenverband. Mit dem Wissen, dass pädagogisch begleitete Jugendreisen sowohl zur Stärkung der Persönlichkeit von Jugendlichen, zur Entfaltung ihrer Talente als auch zur Berufsorientierung beitragen können, sollten Konzepte entwickelt werden, um das Potential des Reiseformates „Schul- und Klassenfahrten“ weiter auszuschöpfen. Zentrale Fragestellungen richteten sich auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen in den verschiedenen Bundesländern, die fachliche Unterstützung der Lehrkräfte, das Bereitstellen systematischer Informations- und Beratungsangebote als auch die Evaluation und Forschung der Schul- und Klassenfahrten. Bereits bei diesem ersten Fachtag brachte das „Bündnis Klassenfahrten“ VertreterInnen aus dem Schulbereich mit MitarbeiterInnen aus dem außerschulischen Bereich zusammen. Durch diesen Austausch sollen die Träger und Veranstalter des pädagogisch orientierten Kinder- und Jugendreisens mit ihren Erfahrungen und ihrer Expertise den Schulen unterstützend zur Seite stehen.

Initiiert wurde der erste Fachtag zum „Bündnis Klassenfahrten“ durch eine Steuergruppe, die vorerst aus Katja Rothmeier (Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V.), Klaus Eikmeier (Reisenetz e.V.), Hans-Dieter Heine (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.), Dr. Werner Müller (transfer e.V.) und Michel Roever (Projektreferent transfer e.V.) besteht. Ein stärkerer Einbezug von Lehrkräften sowie weiteren AkteurInnen aus dem Schulbereich wird im Hinblick auf eine inhaltliche und strategische Weiterentwicklung von Schul- und Klassenfahrten sowohl für die Steuergruppe als auch für das Bündnis allgemein angestrebt.

Eine erste Annäherung an das Thema Schul- und Klassenfahrten bot der kurze Vortrag von Prof. Dr. Steffen Schaal, der an der PH Ludwigsburg in der Lehrerausbildung tätig ist. Deutlich wurde, dass eine zufriedenstellende wissenschaftliche Definition des Begriffs „Klassen-“ oder „Schulfahrt“ bisher nicht gegeben ist. Mit der Beschreibung, dass Klassen- bzw. Schulfahrten i.d.R. mehrtätig sind, Momente des „experiential learning“, des informellen, formellen sowie sozialen Lernens einschließen, zeigt sich einerseits die Unbestimmtheit als auch die Gestaltungsfreiheit von Klassen- und Schulfahrten. Als besonderes Potential der Schul- und Klassenfahrten stellte Herr Prof. Dr. Schaal das informelle Lernen sowie die sog. „Trigger-Erlebnissen“ für die Entwicklung von Jugendlichen heraus. Diese besonders prägenden Erlebnisse z.B. nach einer anstrengenden, aber gelungenen Bergsteigung zusammen in einer Gruppe, bleiben als positive Erinnerung präsent und stärken in Momenten späterer Herausforderungen. Desweiteren schilderte er, dass über den pädagogischen Auftrag von Schul- und Klassenfahrten wenig Einigkeit besteht. Dennoch liege das Potential hier gerade in der Verbindung der pädagogischen Ziele, die sowohl die kognitive als auch die individuelle Ebene umfassen. Während des Reisens könne das Interesse für neue Themen einfacher geweckt und die Jugendlichen auf diese Weise für Geschichte oder Gesundheit nachhaltig begeistert werden.

Ausgehend von diesen einleitenden Betrachtungen fand in mehreren Gruppen ein erstes Brainstorming zu den folgenden Entwicklungszielen statt:

  •     Fachpolitische Strategieentwicklung
  •     Organisatorische Aspekte (Schulische Rahmenbedingungen, etc.)
  •     Aus- und Fortbildung/Einbindung von Fachdidaktik
  •     Systematische Info- und Beratungsangebote/ u.a. Umgang mit Qualitätsstandards und - kriterien
  •     Evaluation und Forschung
  •     Künftige Kommunikationsstrukturen relevanter Partner (inkl. „Content“-Partner)
  •     Weitere Themen („Themenspeicher der Teilnehmenden)


Die Teilnehmer konnten sich den verschiedenen Themen zuordnen und in zwei Runden von jeweils 20 Minuten diskutieren. Nach der Mittagspause fand am Nachmittag moderiert in Arbeitsgruppen eine intensivere Beschäftigung mit den Entwicklungszielen statt. In dieser vertiefenden Arbeitsphase wurden Ergebnisse zur konkreten Umsetzung und dem Zeitrahmen der Vorhaben festgehalten. Abschließend wurden die Planungen im Plenum vorgestellt. In Bezug auf die fachpolitische Strategieentwicklung wurden drei Handlungsebenen zur Umsetzung der Ergebnisse genannt. Auf der Bundesebene geht es um den Kontakt zum Bundesministerium für Bildung und Forschung. Auf der Landesebene sollte mindestens ein geeignetes Kultusministerium als Partner gefunden werden, um Pilotprozesse umsetzen und ggf. Erlasse überarbeiten zu können. Darüber hinaus ist auf einer dritten Ebene die Gewinnung von Praxispartner von Bedeutung. In diesem Kontext geht es einerseits um Hochschulen, die Pilotprojekte in ihre Curricula aufnehmen und umsetzen. Andererseits sollen Projektschulen, die Schul- und Klassenfahrten nach einem „neuen Standard“ umsetzen, gewonnen werden. Konkrete Vorschläge wurden während des Fachtages z.B. zur Gestaltung einer Seminarreihe innerhalb der Lehrerausbildung erarbeitet, die angehenden LehrerInnen Anleitungen zur Umsetzung von pädagogisch orientierten Schul- und Klassenfahrten bieten soll. Ebenso soll ein Fahrtenkonzept für Schulreisen konzipiert und in einer Pilotphase an Schulen erprobt werden. Weiterhin sollen den Lehrerinnen und Lehrern Online- und Informationsplattformen zur Verfügung gestellt werden, die unter anderem z.B. über die Versicherung während der Klassenfahrt informiert.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass ein hoher Bedarf besteht, das große Thema „Schule unterwegs“ in einer Kooperation zwischen schulischen und außerschulischen Partnern, formalem und informellem Lernen weiterzuentwickeln. Die bisher erarbeiteten Ergebnisse dienen als Grundlage zur weiteren Ausgestaltung verschiedener Planungen. Das Bündnis selbst sowie seine Kommunikationsstruktur sollen kontinuierlich ausgebaut werden.

Zur weiteren Umsetzung wird das nächste Treffen der Steuergruppe am 04.04.2016 stattfinden.

Hier finden Sie die komplette Dokumentation vom Fachtag „Bündnis  Klassenfahrten“.